Auftakt Wohnzimmer Innenstadt – Bericht in den OÖN, 16.01.2013

„Es funktioniert wie ein Wunder“IMG_2348

WELS. Wenn jeder Einzelne zum Stadtplaner wird. Bei Impulsvorträgen der Innenstadtagenda erklärten Experten, welche Potenziale durch Bürgerbeteiligung abgerufen werden können.

Die Innenstadt braucht Impulse. Ja schon, doch woher kommen sie und wer hat die Lösungen? „Dir gehört die Stadt“ war das Motto eines Workshops der Innenstadtagenda, zu dem sich am Montagabend etwa 100 Interessierte im Hotel Hauser einfanden. Der Titel war zugleich Programm. Der Kärntner Architekt Roland Gruber beschrieb neue Methoden von Bürgerbeteiligungsmodellen. Prozesse über mehrere Monate gehörten der Vergangenheit an: „Was man in drei Tagen nicht findet, das bekommt man nie“, betont Gruber. In so genannten Vor-Ort-Ideenwerkstätten werden Vorschläge gesammelt. Nach nur drei Tagen werden erste Ergebnisse präsentiert: „Dann wird ordentlich gefeiert und in spätestens vier Wochen steht die Grundlagenplanung.“

Relaunch-Beispiele aus Niederösterreich wie der Hauptplatz von Stadt Haag und der Rote Platz von Zeilern zeigen, wie schnell und nachhaltig sich das Gesicht einer Stadt, einer Gemeinde verändern kann. Gruber: „Hirnschmalz spart Kosten. Mitbestimmung wird so zu einem spannenden Erlebnis.“

Straße als Begegnungszone

Aufregend klang auch das, was Verkehrsplaner Helmut Koch zu sagen hatte. Der Gmundner mit Büros in Wien und Luxemburg widmete seinen Impulsvortrag dem Thema Shared Space. Das sind öffentliche Räume, in denen alle Verkehrsteilnehmer die gleichen Bedingungen vorfinden. Der Verzicht auf Schutzwege, Verkehrszeichen, Fahrstreifen und Gehsteigkanten erzeugt eine neue Form der Begegnung.

„Die Umgebung suggeriert: Hier passt du auf. Es funktioniert wie ein Wunder. Wenn du Autofahrern in die Augen schaust, gehen diese sofort vom Gas herunter. Die Voraussetzung ist der Blickkontakt. Deshalb muss alles Störende weggeräumt werden“, erklärt Koch.

Vorzeigeprojekte wie der Place Rouge in Sankt Gallen (Schweiz) und die Innenstadt von Bischofshofen verwandelten Kochs Vision ins reale Leben. Was passiert, wenn in einer Großstadt wie Graz eine viel befahrene Kreuzung buchstäblich auf den Kopf gestellt wird, zeigte der Verkehrsplaner am Beispiel des Sonnenfelsplatzes nahe der Grazer Uni. Ein kurzer Film aus der Vogelperspektive zeigt die in extreme Vorsicht mündende Unsicherheit der Verkehrsteilnehmer: „Genau das ist der Grund, warum nichts passiert“, behauptet Koch.

Landschaftsplanerin Kirsten Förster widmete ihren Vortrag dem Schwedenplatz in Wien. Deren Planungsbüro planSinne übernahm den Auftrag für eine Umgestaltung: „Es gab im Wesentlichen drei Gruppen, die eingebunden wurden: Bewohner, Besucher und Wirtschaftstreibende mit ihren Mitarbeitern.“ Deren Nutzungsinteressen widersprachen sich. Konsumzwangfreie Sitzmöglichkeiten und stressfreies Gehen standen am Ende des Bürgerbeteiligungsprozesses.

Die Innenstadtagenda wird fortgesetzt. Mit einem Abend zum Thema „die Idee des Jahres vernetzt die City“ am 4. Februar, 19 Uhr, im Medienkulturhaus. Die Einladung zur Teilnahme richtet sich an alle Welser.

Bürger am Wort

Die Innenstadtagenda wird fortgesetzt. Mit einem Abend zum Thema „die Idee des Jahres vernetzt die City“ am 4. Februar, 19 Uhr, im Medienkulturhaus. Die Einladung zur Teilnahme richtet sich an alle Welser.

Nicht nur die Innenstadt steht im Fokus der Bürger. Deren Interesse richtet sich auch auf den „Masterplan Messe“. Idee zur künftigen Nutzung des Areals werden am Dienstag, 29. Jänner, um 18 Uhr in der Stadthalle präsentiert. Moderator ist OÖN-Redaktionsleiter Friedrich M. Müller. Die Vorschläge sollen bei einer Ausstellung für jedermann zugänglich gemacht werden. Im April endet die Bürgerbeteiligung, im September wird der Masterplan beschlossen.